Biopsie:
Beweisend für ein Prostatakarzinom ist ausschließlich der Nachweis von Krebszellen in einer bioptisch entnommenen Gewebeprobe. Die Biopsie wird unter Ultraschallkontrolle durchgeführt. Es werden mit einer Hohlnadel Gewebeproben dem Organs entnommen. Ein Pathologe begutachtet das Prostatagewebe und stellt seine Diagnose.

Die Prostatabiopsie ist nach wie vor zur Diagnose des Prostatakarzinoms notwendig. Zur gezielten Biopsie hoch auflösende Transrektal-Ultraschallsonden zur Verfügung. Die Bedeutung der Ultraschallortung lag dabei nicht in erster Linie in der Detektion des Tumors, sondern vielmehr in der exakten anatomischen Identifikation der Zielregion der Punktionsnadel.

Die derzeit meistens durchgeführte transrektalen Prostatabiopsie :
In Abhängigkeit von den gewählten Biopsie-Indikationen und Biopsie-Protokollen werden in 30-90% der durchgeführten Biopsien Prostatakarzinome nachgewiesen. Die Komplikationsrate des heutzutage typischen Verfahrens – der transrektalen Prostatabiopsie- ist gering. Allerdings wurden auch schwerwiegende Komplikationen beschrieben.

Bei der transrektalen Biopsietechnik sind neben der Keimverschleppung mit reaktiver bakterieller Infektion bis zur Urosepsis vor allem die Blutungskomplikationen zu beachten.


Die neue transperineale, ultraschall- und raster-gesteuerte Prostatabiopsie im Vergleich zur transrektalen Biopsie


Im Vergleich zur transrektalen ultraschall-gesteuerten Prostatabiopsie erfolgt die Probenentnahme nach Ortung über HistoScanning über den Damm unter sterilen Kautelen.

Die Prostatabiopsie wird in der Regel ambulant durchgeführt und meist gut toleriert. Das Verfahren erfolgt meist in lokaler Anästhesie, eventuell mit zusätzlicher Analgo-Sedierung. 12-14 Proben sind heutzutage entsprechend den S3- Leitlinien für das Prostatakarzinom der Standard. Größere Komplikationen sind eher selten, kleinere, sogenannte „Mi¬nor Complications" treten jedoch sehr häufig auf.

Makrohämaturie und Hämospermie
Am häufigsten wird nach Prostatastanz¬biopsie eine schmerzlose Makrohämat¬urie (blutiger Urin) beobachtet. In der Literatur wird die Inzidenz der Makrohämaturie mit 13-89% angegeben.

In der weit überwiegenden Mehrzahl der Fälle er¬fordert die Hämaturie keinerlei thera¬peutische Maßnahmen, und in der Re¬gel ist eine Konsultation des Arztes nicht erforderlich. Innerhalb weniger Tage nach der Biopsie sistiert die Blutung spontan. Das Auftreten einer Hämaturie ist unabhängig von der gewählten Biop¬sietechnik (transrektal vs. perineal) möglich. Eine Hämospermie (Blut im Ejaculat) wird nach einer Random-Biopsie von bis zu 71% der Pa¬tienten angegeben. Auch eine Hämo¬spermie erfordert keine Therapie, die Patienten und deren Sexualpartner sind jedoch häufig sehr beunruhigt. Die Hä¬mospermie persistiert in der Regel jedoch län¬ger als die Hämaturie, in manchen Fäl¬len über Monate. ( "Blutung nach transrektaler Prostatabiopsie. Ein Notfall?" von J. Dörsam und G. Staehler [Urologe B (2001) 41:559-561]).


Die durch uns durchgeführte, aktuelle, ultraschall -gestützte, 3-D-perineale Prostatastanzbiopsie über ein Template (Raster- Schablone)


Im Vergleich zur transrektalen ultraschall- gesteuerten Prostatabiopsie erfolgt die Probenentnahme nach Ortung über HistoScanning über den Damm unter sterilen Kautelen. Nach Durchführung einer Lokalanästhesie mit Scandicain 1% werden in Steinschnittlage ultraschall-gesteuert über eine transrektale Ultraschallsonde (BK Medikal 3D) die Proben aus den suspekten Arealen entnommen. Hierbei liegt der Patient in Steinschnittlage („auf dem Rücken mit gespreizten Beinen“), eine zusätzliche Analgo-Sedierung ist möglich und wird meist vom Patienten auch als angenehm erwünscht. Das Raster projiziert sich hierbei gleichzeitig in Echtzeit auf die Ultraschallabbildung der Prostata, sodass punktgenau die entsprechenden Areale mit der Biopsie-Nadel erreicht werden.

 
 


 


Hierbei ist wissenschaftlich gesichert das mögliche Infektionsrisiko im Vergleich zur transrektalen Prostatabiopsie minimal.
Die antibiotische Prophylaxe mit Gyrasehemmern(Ciprofloxacin, Levofloxacin), obligat entsprechend den Leitlinien, verliert bei zunehmender Resistenz der typischen Darmbakterien im Enddarm ( Eschericha Coli u.a.) ihr Wirkung.

Die Zahl der Komplikationen nach einer transrektalen Prostatabiopsie ist in den vergangenen 20 Jahren signifikant gestiegen. Wie US-Forscher berichten, geht die Zunahme vor allem auf das Konto von Infektionen. Sie vermuten einen Zusammenhang mit der gewachsenen Resistenz von Keimen, die den Effekt der antibiotischen Prophylaxe durchkreuzt. Versagt die Routineprophylaxe? „Männer bekommen für die Prostatabiopsie routinemäßig Antibiotika verordnet“, erläuterte Prof. Edward Schaeffer, Baltimore, der Seniorautor der Studie. „Den Grund dafür, dass schwerwiegende Infektionen zunehmen, sehen wir in
der stetigen Zunahme von resistenten Keimen.“ Schaeffer und seine Kollegen fordern daher, Kandidaten für die Prostatabiopsie sorgfältig nach Nutzen und Gefahren auszuwählen und vor dem Eingriff entsprechend zu beraten. Das Risiko, durch die Biopsie ernsthafte Komplikationen zu erleiden, sei keineswegs zu vernachlässigen(publiziert am: 29.9.2011 8:00 Autor: Dr. Robert Bublak Quelle: springermedizin.de basierend auf: Loeb S et al. Complications After Prostate Biopsy: Data From SEER-Medicare J Urol 2011; 186: 1830–1834).


Neben diesem großen Vorteil des minimierten Infektionsrisikos ist aufgrund des nahezu horizontalen Stichkanals bei der perinealen Biopsie und der rastergesteuerten Biopsie die Erfolgschance, das vermutete Karzinom zu treffen, erheblich größer.

Eine hierdurch genauere Lokalisation des Prostatakrebses und seine Ausdehnung in der Prostata ermöglicht schließlich bei früher Diagnostik auch eine Fokaltherapie mit HIFU(hoch-energetischer, fokussierter Ultraschall), - also organerhaltend mit relativ kleinem Aufwand,- erektile Funktion und Kontinenz zu erhalten.



gez.

Dr. K.-H. von Kellenbach
Urologe u. Androloge

 

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