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Prostatahyperplasie

Die Einteilung der gutartigen Vergrößerung der Vorsteherdrüse

Nach erfolgten Untersuchungen teilt der Arzt die Erkrankung in Stadien ein, wobei im Mittelpunkt der verbleibende Urin in der Harnblase , der Restharn, steht und nicht so sehr die absolute Vergrößerung der Vorsteherdrüse. So dient diese Einteilung letztlich zur Grundlage der Entscheidung zur besten Behandlung in jedem Einzelfall:

1. Stadium:
Der Betroffene muss immer häufiger Wasser lassen, sowohl am Tag wie auch in der Nacht. Der Beginn der Blasenentleerung ist verzögert, das Wasserlassen nimmt mehr Zeit in Anspruch und es kommt zu einem Nachtröpfeln. Der Harnstrahl ist abgeschwächt. Der Betroffene versucht, durch zusätzliches Pressen mit Hilfe der Bauchmuskulatur die Blase zu entleeren. In diesem Stadium ist Restharn noch nicht nachweisbar.

2. Stadium:
Es finden sich die gleichen Krankheitszeichen wie im ersten Stadium, zusätzlich kommt es jetzt aber nach dem Wasserlassen zum Verbleib von Urin in der Harnblase. Der Patient verspürt kurze Zeit nach dem Wasserlassen erneut einen Harndrang und es ist ihm möglich, wiederum eine kleine Menge Harn zu entleeren. Es bleibt jetzt Urin in der Harnblase und die ständige Keimbesiedelung oder eine Steinbildung in der Harnblase sind mögliche Folgen.

3. Stadium:
Durch weitere Zunahme des Restharns kommt es zum Versagen der Austreibungskraft der Harnblasenmuskulatur. Es bildet sich eine Überlaufblase oder es kommt zur kompletten Harnverhaltung. Der Urin staut sich letztlich rückwärts über die Harnleiter hinauf bis zu den Nieren und schädigt diese in ihrer Funktion, den Harn auszuscheiden; es kommt im Extremfall zum völligen Versagen der Nieren.


Die Behandlung der gutartigen Vergrößerung der Vorsteherdrüse

Für die Behandlung der gutartigen Prostatavergrößerung kommen Medikamente, andere nicht-operative und operative Maßnahme zum Einsatz.

Durch die Einteilung in mehrere Stadien ergeben sich für dieses Krankheitsbild unterschiedliche Behandlungsansätze, wovon im Einzelfall auch abgewichen wird. Immer ist im Gespräch mit dem Patienten die geeignetste Behandlung zu erörtern und abzusprechen!

Grundsätzlich ist eine operative Behandlung kaum vermeidbar bei wiederkehrenden Harnverhalten, Infekten in den Harnwegen, Prostatablutungen, Harnblasensteinen und Störung der Nierenfunktion.

Die folgend dargelegte Übersicht ist keine strenge Regel. Im Einzelfall wird immer der persönliche Leidensdruck eines Patienten Richtschnur zur Behandlung sein:


Die Behandlung im 1. Stadium (keine Restharnbildung):
Die Entleerung der Harnblase ist noch vollständig und eine Gefahr einer Schädigung der Nieren durch einen Rückstau des Harns besteht nicht.

Maßnahmen einer natürlichen Lebensweise (z.B. regelmäßige Blasen- und Darmentleerung, ausreichend Bewegung, Vermeiden von Alkohol und scharfen Gewürzen) können ebenso wie Medikamente, die eine Erleichterung des Wasserlassens bewirken, erfolgreich sein.

Bei einigen Medikamenten handelt es sich um pflanzliche Extrakte, die zum Beispiel aus Kürbiskernen oder anderem gewonnen werden. Obwohl ihre Wirkung bislang noch nicht wissenschaftlich gesichert ist, scheint sich ihre Einnahme bei manchen Patienten günstig auszuwirken.

Bei den sogenannten Alpha-Rezeptorenblockern handelt es sich um Medikamente, die den Widerstand am Blasenausgang und der Prostatamuskulatur günstig beeinflussen und damit zu einer Verbesserung des Harnstrahls und der Harnblasenentleerung führen.

Ebenso mit guten Ergebnis sind noch Medikamente zu nennen, die einen bestimmten Eiweißkörper (5-alpha-Reduktase) hemmen, der im Stoffwechsel der männlichen Geschlechtshormone wirkt. Unter deren Einnahme kommt es zu einer gewissen Rückbildung der Prostatagröße. Somit ist dieses Medikament auch der Behebung der Krankheitsursache dienlich. Schwere Nebenwirkungen treten bei diesem Medikament nicht auf.

Fühlt sich der betroffene Mann allerdings trotz dieser Behandlungsmaßnahmen durch den häufigen Harndrang und das nächtliche häufige Wasserlassen sehr gestört, sollte auch im ersten Stadium ohne Restharn an einen operativen Eingriff gedacht werden.


Die Behandlung im 2. Stadium (Restharnbildung):
Auch wenn dem Patienten die von ihm wahrgenommenen Beschwerden noch erträglich sind, ist die operative Behandlung anzuraten. Die Bildung von Restharn ist ein Hinweis auf ein beginnendes Versagen der Harnblasenmuskulatur. Es droht die komplette Harnverhaltung, Überlaufblase, Nierenschädigung und Nierenversagen. Die häufigste und normalerweise übliche operative Therapieform ist die Entfernung des Prostatagewebes mit einem Operationsblasenspiegel (transurethrale Resektion der Prostata, TUR-P). Dieser Eingriff wird über die Harnröhre durchgeführt. Nur sehr große Drüsen müssen mittels einer Bauchschnitt-Operation entfernt werden.


Behandlung im 3. Stadium (vermehrte Restharnbildung, Rückstau des Harns mit Nierenbeeinträchtung):

Bei der dauerhaften vollständigen Harnverhaltung und bei der Überlaufblase ist zunächst die Einführung eines Katheters in die Harnblase zur Harnableitung die zweckmäßigste Maßnahme, die zugleich der Untersuchung wie auch der Behandlung dient. Hierdurch wird die Harnblase entleert und die Nieren werden entlastet. Eine Operation wird regelhaft nach Besserung der Nierenfunktion die anschließende Behandlungsmaßnahme sein. Dabei ist auch hier die TUR-P die Behandlung der Wahl.


Spezielles zu den operativen Behandlungsmöglichkeiten der gutartigen Vergrößerung der Vorsteherdrüse

Gemeinsames Ziel bei fast allen operativen Verfahren, die bei der Behandlung der mit Beschwerden behafteten Prostatavergrößerung zum Einsatz kommen, ist die Entfernung des Prostatagewebes.

Die Entfernung von überschüssigem Gewebe der Prostata durch die Harnröhre mit einem Operationsblasenspiegel (TUR-P) gehört derzeit mit etwa achtzig Prozent zum Standardverfahren und wird in voller Betäubung oder Rückenmarksbetäubung durchgeführt. Unter ständiger Spülung wird dabei Prostatagewebe weggeschnitten. Mit der Einlage eines Katheters in die Harnblase für einige Tage endet die Operation. Mit einem zumeist stationären Krankenhausaufenthalt von maximal acht Tagen ist zu rechnen. Beste Behandlungsergebnisse und sehr gute Langzeitergebnisse liegen diesem Operationsverfahren zugrunde. Nach der Operation werden bei jedem zehnten Operierten Entleerungsstörungen der Harnblase angegeben. Eine Beeinträchtigung der Beischlaffähigkeit ist nicht häufig. Die Zeugungsfähigkeit des Mannes ist jedoch gestört, weil es regelhaft zur Entleerung des Samenergusses in die Harnblase kommt, denn bei der operativen Entfernung der Prostata muß auch der angrenzende Teil der Harnröhre mit entfernt werden. Eine wesentliche Einschränkung der Lebensqualität besteht dadurch nicht. Vernarbungen im ehemaligen Wundbett müssen durch eine Nachoperation behoben werden, die allerdings wieder durch die Harnröhre durch Spaltung der Narben einen einfachen Eingriff darstellt, der ambulant und in Lokalanästhesie durchgeführt werden kann.

Nach zehn Jahren ist bei einigen der behandelten Patienten eine erneute Operation notwendig.

Die Entfernung der Prostata über einen Schnitt im Unterbauch liefert ähnlich gute Ergebnisse, wird aber regelhaft nur bei sehr großer Drüse angewandt.

Andere Operationsverfahren z.B. die Entfernung der vergrößerten Prostata durch eine Verwendung des Laser-Lichts oder Behandlungen unter Zufuhr von Wärme an die vergrößerte Prostata mit Nadeln oder Mikrowellen stehen hinter der erstgenannten Maßnahme zurück, erfordern häufigere Eingriffe oder sind speziellen Situationen vorbehalten.

Die Einlage einer Kunststoffschiene in die Harnröhre ist nur besonderen Einzelfällen vorbehalten.

Eine Aufweitung der Harnblase mittels Ballonkatheter findet nicht mehr statt.


Mögliche Probleme nach einer Operation an der Vorsteherdrüse


Eine Nachblutung aus dem Wundbett tritt gelegentlich auf, was selten eine Blutgabe erforderlich macht. Verengungen im Verlauf der Harnröhre können auftreten zum Beispiel durch Narbenbildung; dies kann das Wasserlassen behindern, was gegebenenfalls eine Nachoperation erfordert. Die häufig einige Wochen nach der Operation noch bestehende Entleerungsstörung der Harnblase verschwindet meist gänzlich.

Ein Verlust der Beischlaffähigkeit ist insbesondere bei einer Frühoperation nicht zu erwarten, doch kommt es regelhaft zur Zeugungsunfähigkeit durch Rückfluss des Samenergusses in die Harnblase. Dies ist bedingt ist durch die erforderliche Entfernung des hinteren Teils der Harnröhre bei der Operation.

Probleme während des Operationsverlaufs nebst Narkose sind gering. Ihr Auftreten steht in Verbindung mit dem Alter und Vorerkrankungen des Patienten wie zum Beispiel Herz-Kreislauferkrankungen.

In wenigen Fällen kann es nach einer operativen Prostataentfernung zu einer dauerhaften Harninkontinenz kommen.


Die Heilung und Nachbehandlung nach Operation der gutartigen Vergrößerung der Vorsteherdrüse

Engmaschige Kontrollen auch bei Medikamenteneinnahme sind erforderlich.

Nach erfolgter Operation kann sich die Nachsorge noch über einen längeren Zeitraum erstrecken. In manchen Fällen kann der Schließmuskel am Ausgang der Harnblase in seiner Funktion vorübergehend noch beeinträchtigt sein, die Folge kann eine gestörte Entleerung der Harnblase (Harninkontinenz) sein. Hier führt das Training unter fachkundiger Anleitung mittels Beckenbodengymnastik zum Erfolg.

Wie bereits erwähnt ist bei starker Narbenbildung im Operationsgebiet in seltenen Fällen auch eine Folgeoperation nötig.

Der Urin kann noch eine Zeitlang mit Keimen infiziert sein. Durch Medikamentengabe und bei gutem Harnabfluss werden diese Beschwerden jedoch bald abklingen.

 

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